Ein Faltkorb ist schnell verstanden: Seitenwände aufrichten, einrasten lassen, Einkäufe hineinlegen – und danach alles wieder platzsparend zusammenklappen. Ob die Verriegelung das auch nach Tausenden Klappvorgängen noch zuverlässig schafft, lässt sich aber nur im Dauertest beantworten. Statt eines eigens konstruierten Sonderprüfstands reichten dafür ein Standardsystem SMARTTESTER® 32, zwei Linearachsen, ein paar Elemente aus dem Mechanik-Baukasten und ein Prüfablauf, der am Touchscreen zusammengestellt wurde.
Auf einen Blick
- Aufgabe: Dauertest der Seitenwand-Verriegelung eines faltbaren Einkaufskorbs aus Kunststoff
- Lösung: SMARTTESTER® 32 mit zwei elektrischen Linearachsen, die entriegeln, einklappen und wieder aufrichten
- Aufbauzeit: rund 1,5 Stunden für Prüfaufbau und Prüfablauf
- Ergebnis: 5.000 Zyklen bestanden – und weitere 5.000 Zyklen zusätzlich
Faktenbox
| Branche | Konsumgüter, Kunststoffprodukte |
|---|---|
| Prüfling | Faltkorb aus Polypropylen (PP), ca. 50 × 40 × 25 cm |
| Prüfart | Dauer- und Funktionsprüfung: entriegeln, einklappen, aufrichten, einrasten |
| Fragestellung | Hält die Verriegelung – und steht die Wand nach Tausenden Zyklen noch stabil? |
| System | SMARTTESTER® 32, Antriebsregler DME-MD48-04, Linearachsen DM-LB33-300 und DM-LB26-200, Elemente aus MECHANICS |
| Aufbauzeit | ca. 1,5 Stunden (Prüfaufbau und Prüfablauf) |
| Prüfdauer | 5.000 Zyklen à ca. 16 Sekunden – knapp 23 Stunden |
| Ergebnis | Verriegelung hielt trotz kleiner plastischer Veränderungen; weitere 5.000 Zyklen ohne Ausfall |
Aufstellen, benutzen, einklappen, verstauen
Im Alltag ist der Faltkorb ein treuer Begleiter: Zusammengeklappt liegt er platzsparend im Kofferraum, am Supermarkt wird er aufgeklappt, an der Kasse gefüllt und zu Hause wieder geleert und eingeklappt. Für den Hersteller ist deshalb entscheidend, ob die Verriegelung nach Tausenden Klappvorgängen noch hält, die Wand sauber einrastet und stabil steht.
Händisches Ausprobieren beantwortet diese Frage nicht. Bisher blieben zwei Wege: Probanden – oft Studierende –, die den Korb über mehrere Tage immer wieder auf- und zuklappen, mit allen menschlichen Nachteilen wie Ermüdung und ungleichmäßigen Bewegungen. Oder ein eigens gebauter Sonderprüfstand mit einer Vorlaufzeit von mindestens vier bis sechs Wochen. Warum der Zeitpunkt des ersten Tests so viel kostet, zeigt der Beitrag Time-to-Test.
Der Kniff: drei Bewegungen mit zwei Achsen
Ein Zyklus besteht aus drei Bewegungen: Die Verriegelung muss gelöst, die Seitenwand eingeklappt und anschließend wieder aufgerichtet und in die Rastung gedrückt werden – und das bei jedem Durchlauf exakt gleich. Eine einfache Hubbewegung reicht dafür nicht, denn die Bewegungen laufen in zwei Richtungen: waagerecht und senkrecht.
Die Lösung: zwei elektrische Linearachsen, eine waagerecht und eine senkrecht, mit einem gemeinsamen Betätiger aus Aluminium. Knifflig war, drei Bewegungen mit nur zwei Achsen abzubilden. Mit etwas Erfahrung und ausreichend großen Verfahrwegen ließ sich das gut lösen: Der Betätiger greift die Wand einmal von außen und einmal von innen an.


Prüfaufbau und Prüfablauf in rund 1,5 Stunden
Der Korb wird auf der Aufspannplatte positioniert und mit wenigen Handgriffen fixiert – mit blauen Anschlägen und Spannelementen aus dem Baukasten SMARTTESTER® MECHANICS. Die beiden Linearachsen sitzen an einem Rahmen aus Aluminiumprofilen über dem Korb.
Den Prüfablauf stellt man in der SMARTTESTER® Software am Touchscreen zusammen, ohne Programmierkenntnisse:
- Start und Ende rahmen einen Durchlauf ein.
- Achsen-Elemente fahren die Linearachsen auf ihre Positionen – die Endlagen sind per Doppeltipp eingestellt.
- Pausen von wenigen Sekunden geben der Wand Zeit, einzurasten oder einzuklappen.
- Ein Zähler erfasst die Durchläufe; nach 5.000 Zyklen endet die Prüfung automatisch.
Programm laden, Zähler auf null, Start – insgesamt dauerten Aufbau und Programmierung rund 1,5 Stunden. Das Video zeigt den Aufbau im Zeitraffer:
Prüfaufbau für den Faltkorb im Zeitraffer
Video · 21 Sekunden
Das Ergebnis – und eine Überraschung
Gut 16 Sekunden pro Zyklus, 5.000 Zyklen, knapp 23 Stunden Laufzeit über Nacht: Am nächsten Morgen stand fest, dass die Verriegelung gehalten hat. Kleine plastische Veränderungen am Kunststoff waren sichtbar, die Funktion blieb aber voll erhalten.
Die eigentliche Überraschung kam danach: Der Korb hielt problemlos weitere 5.000 Zyklen durch – obwohl er beim Einrichten des Prüfaufbaus versehentlich einige Male überbeansprucht worden war. Ein starkes Ergebnis für die Konstruktion, und ein Beleg dafür, wie schnell sich mit Standardmodulen belastbare Daten gewinnen lassen.

Faltkorb im Dauertest: entriegeln, einklappen, aufrichten
Video · 51 SekundenDasselbe Prinzip funktioniert auch für …
Solche Dauertests sind für jedes Produkt sinnvoll, das Kunststoffteile mit Scharnier, Rastung oder Clip hat:
- Klappboxen und Mehrwegbehälter – siehe Behälter
- Deckel mit Filmscharnier, etwa an Duschgel- oder Spülmittelflaschen – siehe Flip-Top-Verschluss und Schraubdeckel
- Clipverbindungen an Kunststoffgehäusen, etwa an Fernbedienungen – siehe Elektrogeräte
- Klappmechanismen an Haushaltsgeräten und Möbeln
Weitere Beispiele zeigen die Anwendungen und die Videos. Worauf es bei Bewegungs- und Belastungstests grundsätzlich ankommt, lesen Sie im Beitrag Produktprüfung von Konsumgütern.
Häufige Fragen zum Projekt
Wie testet man die Verriegelung eines faltbaren Einkaufskorbs?
Der Korb wird auf einer Aufspannplatte fixiert. Zwei elektrische Linearachsen mit einem gemeinsamen Betätiger lösen die Verriegelung, klappen die Seitenwand ein, richten sie wieder auf und drücken sie in die Rastung. Ein Zähler erfasst die Zyklen.
Wie viele Klappzyklen muss ein Faltkorb aushalten?
Für Faltkörbe gibt es nach unserer Kenntnis keine eigene Prüfnorm. Hersteller legen die Anforderungen selbst fest und orientieren sich an allgemeinen Standards. In diesem Projekt wurden 5.000 Zyklen geprüft – der Korb hielt anschließend weitere 5.000 Zyklen durch.
Wie lange dauert es, einen solchen Test aufzusetzen?
Prüfaufbau und Prüfablauf waren in rund 1,5 Stunden fertig. Ein Sonderprüfstand braucht dagegen meist vier bis sechs Wochen Vorlauf.
Warum nicht einfach Probanden testen lassen?
Menschen ermüden und bewegen den Prüfling nie zweimal exakt gleich. Ein Prüfsystem arbeitet rund um die Uhr reproduzierbar und dokumentiert jeden Zyklus.
Wie lange dauert ein Zyklus?
Rund 16 Sekunden für Entriegeln, Einklappen, Aufrichten und Einrasten inklusive kurzer Pausen. 5.000 Zyklen liefen damit in knapp 23 Stunden.
Ihr Produkt hat Scharniere oder Rastungen?
Sprechen Sie uns an: Wir beraten Sie, welche Module Sie brauchen und ob sich ein Prüfsystem zur Miete für Ihren Test rechnet. Oder senden Sie uns Ihr Produkt – wir bauen die Prüfung kostenlos auf einem Vorführsystem auf.



















